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Der Dieb / Le voleur et l’enfant
Februar 17, 2008, 5:31 pm
Filed under: movies

>> Russland, Frankreich 1997 >> 95 min >> R: Pavel Chukhraj >> D: Wladimir Maschkow, Ekaterina Rednikowa, Mischa Filiptschuk u.a.

der-dieb.jpg
Photo von Bigmon

Russland 1952, Nachkriegszeit. Die hübsche Katja und ihr unehelicher Sohn Sanja ziehen auf der Suche nach einem neuen Heim durch ein vom Krieg gebeuteltes Russland und lernen in einem Zugabteil Tolja, einen Offizier kennen. Eine schicksalsträchtige Begegnung, wie sich herausstellen wird.
Da alleine zu sein in diesen harten Zeiten nicht einfach ist, und Tolja ein charmanter und starker Kerl zu sein scheint, schliessen sie sich zusammen. Der Bub allerdings sieht in seiner Fantasie immer wieder den richtigen Vater, – den er aber eigentlich nie kennengelernt hat – , und so fällt es ihm nun schwer Tolja zu akzeptieren.
Schliesslich wird dieser für ihn aber doch zur Vaterfigur; da er der Familie hilft, sich um ihn kümmert und unter seine Fittiche nimmt. So sind einige seiner Regeln für den kleinen Sanja: – Du musst immer der Sieger sein – Schlag den Nachbarsjungen einfach zuerst – sobald du ein Messer ziehst, benutz es auch. Die Grausamkeit des Krieges scheint tief in Tolja verwurzelt zu sein, denn es scheint als gebe es für ihn nur ein Gesetz, – die Macht des Stärkeren. Er ist es sich gewohnt rücksichtslos alles zu nehmen was er kriegen kann. Bald entpuppt sich also, dass Tolja gar kein Offizier, sondern ein herumziehender Gauner ist. Getarnt als Soldat mit einer Frau und einem Kind wird ihm Vertrauen geschenkt, welches er dann skrupellos ausnützt, so raubt er hinterhältig die Familien aus, bei denen sie als Gäste untergekommen waren. Als sie dies erfährt, bricht für Katja eine Welt zusammen, ist aber nicht mehr in der Lage sich von ihm zu trennen, mittlerweile liebt sie ihn, und als alleinstehende Mutter ist sie auf Hilfe angewiesen.
Bei einem letzten Versuch sich von ihm loszureissen wird er geschnappt und zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Der Junge ruft Tolja bei dessen dramatischem Abtransport ins Gefängnis zum ersten Mal Vater zu, ein entscheidender Augenblick, denn ab diesem Moment erscheint ihm die imaginäre Vatergestalt nicht mehr. Der Abtransport ist auch das letzte Aufeinandertreffen von Katja und Tolja, denn sie stirbt kurze Zeit später an den Folgen einer Abtreibung.
Nun ganz alleine, ohne Mutter, in einem Kinderheim gelandet ist für ihn Tolja, der Mann der sich ihm angenommen hat, die Überfigur, sein Vater. Der tätowierte Panther den er bei ihm gesehen hat, ziert nun auch seine Schulter. Erst Jahre später aber trifft er ihn wieder, es ist ein ersehntes Wiedersehen. Tolja aber ist immer noch der gleiche rücksichtslose Gauner geblieben; betrunken, erinnert er sich zuerst nicht einmal mehr an Sanja. Der Bub kommt ihm ungelegen, er hat keine Zeit und kein Geld, so erklärt er gefühlskalt vor Anwesenden: „Das ist nicht mein Sohn; seine Mutter, das war bloss eine Affäre vor Jahren in einem Zugabteil“ Dass für den Jungen darauf die Welt zusammenbricht ahnt er nicht, oder ist ihm egal. Sanja erschiesst am Ende Tolja hinterrücks, denn so hat er es schliesslich von seinem Papa gelernt.

Fazit: Die starke Vaterfigur ist für einen kleinen Jungen in einem patriarchischen Russland übergross, der Vater aber ist sich seiner Verantwortung nicht bewusst.
„Der Dieb“ ist ein mit genialen Schauspielern, authentischer Kulisse, mit beeindruckenden Bildern, perfekt inszenierter, russischer Film ..leider mit einem traurigen Ende, aber so ist es nun mal, das Leben. 1997 wurde er für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert.


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