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Sophie Zelmani
November 16, 2007, 12:05 am
Filed under: music

„Sophie singen zu hören, ist gleichzeitig wie in ein Samtlaken eingewickelt zu sein und auf den Boden geholt zu werden; im Grunde eine Beschreibung des Himmels auf Erden.“ (Anton Corbijn)
Sophies musikalischer Background sind Bob Dylan, Leonard Cohen und Konsorten. Die Kompositionen sind reduziert, still, melancholisch und geheimnisvoll. Mit einer sanften, beinahe hauchenden Stimme vorgetragene countryeske Pop-Balladen. In einem Wort – zauberhaft.

Anfang der 90-er Jahre, Stockholmer Vorort. Sophie, 20 Jahre alt, komponiert und lebt von Gelegenheitsjobs. Job als „Go-for“ in einem Tonstudio. Heimlich kann sie dort nächtens mithilfe eines Freundes ein paar Lieder aufnehmen. Unfassbar: „Deine Songs sind so langweilig, die kannst du niemandem zumuten“, meinte der Freund von Sophie damals. Das Tape wurde zum Glück trotzdem versendet. Lasse Halapi von Sony produzierte 1995 ihr erstes Album „Sophie Zelmani“. „Die meisten Stücke des ersten Albums waren Songs, die ich geschrieben hatte, als ich so um die sechzehn war.“ Eine, für dieses Alter, reife Leistung. Der Lohn – eine goldene Schallplatte und ein schwedischer Grammy. Es folgten fünf weitere grossartige Alben bis heute:

# Precious Burden (1998) # Time To Kill (1999) # Sing And Dance (2002) # Love Affair (2004) # Memory loves you (2007)

Von der Kritik zwar geliebt, schaffte sie den ganz grossen internationalen Durchbruch allerdings nie. Wenn man da z.B. an die Erfolge von Norah Jones denkt, ist das eigentllich unverständlich. Es liegt wohl vorallem daran, dass Sophie vielmehr scheue Musikerin als grosse Selbstdarstellerin ist. Anfangs tat sie sich dann auch sehr schwer mit den Mechanismen des Showbiz. „Fotosessions, Interviews und andere Begleiterscheinungen des Musikerlebens stehen in meiner Hitparade der Albträume ziemlich weit oben. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so viel geredet. Es war bizarr.“ Lieber bleibt die symphatische Sophie auf ihrer schwedischen Insel und feilt an neuen Songs. Auch an Konzerten fand sie nicht so richtig Gefallen. „Ja, am Anfang wollte ich nur Platten machen. Aber jetzt spiele ich sogar sehr gerne live… aber nur mit der Band. Ich könnte nie alleine auftreten; ich würde mich zu Tode fürchten.“ – Aber wir lieben dich doch, Sophie! – Und so kann man, wenn man Glück hat, Sophie schon mal an dem ein oder anderen kleinen, aber feinen Konzert bewundern.
Anfang 2006 erschien „Decade of Dreams“, eine 18 Songs umfassende Retrospektive über ihr mittlerweile zehnjähriges Gesamtwerk. Wohl ein Wunsch ihrer Plattenfirma. „Compilation-Alben sind schon seltsam. Ich habe ein zwiespältiges Gefühl dabei. Ganz persönlich denke ich, dass Compilation-Alben nicht so rasend interessant sind, denn es ist verdammt schwierig, damit ein homogenes Resultat zu erzielen. Solche Sachen werden eigentlich gemacht, wenn man tot ist.“ Aber lang lebe Sophie Zelmani.


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