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L‘ Appât__Der Lockvogel
November 6, 2007, 11:21 am
Filed under: movies, stories

Frankreich 1995 / 115 Minuten / Regie: Bertrand Tavernier / Buch: Colo Tavernier, O’Hagan und Bertrand Tavernier / Kamera: Alain Choquart / Darsteller: Marie Gillain, Olivier Sitruk, Bruno Putzulu, Richard Berry, Philippe Duclos, Marie Ravel, Clotilde Courau, Jean-Louis Richard.

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Photo von Jackie Kever

Für die drei Freunde Nathalie, Eric und Bruno zählt vorallem eins, Dazugehören. Es geschafft zu haben. Geiles Aussehen, Porsche, Tissant Uhren und Mont-Blanc Füllfederhalter. Das ist das Leben, das Leben eines Stars, diktiert von Medien und Werbung – allerdings ohne den Preis dafür zu nennen.
Nathalie ist Verkäuferin in einer Boutique und Gelegenheitsmodel, sie sammelt die Adressen, Telefonnummern und Visitenkarten ihrer reichen Bekanntschaften wie Trophäen. Die schicken Restaurants, die Porsches, das ist der Platz an der Sonne. Ihr Freund Eric und sein Kumpel Bruno sind allerdings arbeitslos und hängen nur Zuhause vor dem Fernseher rum. Im Irrglauben, jeder dieser „Reichen“ hat einen Tresor voller Scheine zu Hause, beschliessen sie Nathalie als Lockvogel einzusetzen um Überfälle auf deren Bekannten zu verüben. Wie im billigen Fernsehkrimi gesehen, müssen allfällige Augenzeugen dann natürlich aber auch beseitigt werden.
– Ist ganz leicht jemanden zu töten, geht auch wirklich schnell, das kann so gut wie jeder. – Das eigene Erfolgsstreben wird für die drei zum Handlungsmaßstab, willst du etwas, so hol es dir. Es ist die einzige Moral. Es ist wie im American-Movie, alles ist möglich. Alles scheint ein Spiel zu sein.
Taverniers Film handelt vom Wandel in unserer Gesellschaft. Jugendliche, welche klar überfordert sind mit den neuen Medien (in diesem Fall das Fernsehen), sie sind der totalen Bilderflut, dem Medienoverkill ausgeliefert und wissen nicht damit umzugehen. In Kombination mit elterlicher Vernachlässigung ist die Folge eine Orientierungslosigkeit, welche ganz „normale“ Menschen zu Mördern und Vergewaltigern machen kann. Porno, Ballergame und Splatter als Vorbild.
Der Vorwurf geht vielmehr an die Eltern, die sich ihrer Verantwortung bewusster sein sollten. Den Umgang mit den Medien kann man auch lernen. Klar, nicht alle Jugendliche sind so naiv und wissen nicht zu abstrahieren, es ist aber leider auch nicht das einzige Massaker dieser Art. Und ehrlich, auch mir sind schon Leute begegnet, die beispielsweise den Stuss der nachmittäglichen Gerichtssendungen für bare Münze nehmen. Sind die Gruppenvergewaltigungen der Jugendlichen letztes Jahr in der Schweiz nicht auf Pornokonsum zurückzuführen? Und erst all die magersüchtigen Mädchen, die so sein wollen wie die Medien es kommunizieren. Aber all das ist eine Scheinwelt, elterliche Fürsorge und Aufklärung sind ersetzt durch die verzerrte Realität von Fernsehen und Internet.
Taverniers Film ist eine eindringliche Charakter-, und Gesellschaftsstudie, er zeigt in schlichten Bildern und mit kühler Distanz wie es zu diesen Verbrechen gekommen sein könnte. Der kontroverse Film gewann 1995 auf der Berlinale den silbernen Bären.
Ein Film wie Gus van Sants „Elephant“, oder auch Larry Clarks „Bully, diese Kinder schockten Amerika“.


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