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Babel
Oktober 28, 2007, 2:23 pm
Filed under: movies

Ich habe jetzt alle drei Filme des mexikanischen Filmemachers Alejandro González Iñárritu gesehen und Babel mag ich mit Abstand am liebsten. Regie, Kameraführung, Sound, schauspielerische Leistung, Schnitt und Drehorte sind allesamt grandios und machen diesen Film zum meditativen Ereignis.
Die Geschichte des Turmbaus von Babel mag schon tausende Jahre alt sein, doch scheint sie sich in Variationen bis heute auf dem gesamten Erdball ständig zu wiederholen. Die Welt ist eins, aber wir sprechen zuwenig miteinander. Kulturelle Hintergründe unterscheiden uns, aber haben wir nicht alle die gleichen Bedürfnisse?

marok.jpgPhoto von Mixmaster

In der wunderschönen marokkanischen Berglandschaft führen die Bewohner ein karges Leben ohne Luxus. Ein dort lebender Ziegenhirte kauft seinen Söhnen, welche noch Kinder sind, ein Gewehr, um damit Schakale jagen können. Aus Spass, aber auch aus Unwissenheit schiessen sie auf einen vorbeifahrenden Bus und verletzen so eine amerikanische Touristin (Cate Blanchett). Was tun? Zusammen halten und Hilfe organisieren. Dies stellt sich nun aber als sehr schwer heraus, wird zum Staatsakt und fordert so schlussendlich ein weiteres Opfer. Da schnell von Terrorismus die Rede ist, verhindern staatliche Indifferenzen eine sofortige Rettung der Frau; ein Teil der anderen Touristen stellt sich quer, was weitere Komplikationen mit sich bringt; schlussendlich geht die marokkanische Polizei mit einer solch unverhältnismässiger Härte gegen die Bauernfamilie vor, dass einer der beiden Söhne getötet wird. Tragisch.
Fast zur gleichen Zeit sind die beiden Kinder des Paares wohlbehütet zu Hause in den USA unter Aufsicht ihres langjährigen mexikanischen Kindermädchens. Da die Eltern nach dem Vorfall in Marokko nicht sofort wieder in die Staaten einreisen können, bitten sie die Nanny noch ein Wochenende länger auf die Kinder aufzupassen. Am selben Wochenende ist nun aber die Hochzeit ihres Sohnes im benachbarten Mexiko. Da sie so kurzfristig niemanden findet der auf die Kinder aufpassen kann, nimmt sie diese kurzerhand mit. Eigentlich ein schöner Akt, denn die Kinder erleben so einen für sie sehr eindrücklichen Tag im Nachbarsland. Mit was wohl niemand gerechnet hat sind dann aber die amerikanischen Zollbeamten, welche aus einer Fliege einen Elefanten machen und mit ihrer ungestümen und unangbrachten Art beinahe eine weitere Tragödie heraufbeschwören.
Eine dritte Episode erzählt die Geschichte einer jungen, pubertierenden gehörlosen Japanerin, welche seit dem Selbstmord der Mutter mit dem Vater zusammen lebt. Die junge Frau leidet sehr unter dem Verlust der Mutter und unter den Vorurteilen die man gegenüber Andersartigen hat. Dabei möchte sie ganz normal sein und wie alle anderen Jugendlichen auch ihre erste Liebe erleben. Immer wieder stürzt sie sich frontal ins Leben, wird missverstanden und wieder zurückgewiesen.

Der Film erzählt diese drei Geschichten, verteilt auf vier Kontinente, der Kontrast zwischen diesen Welten mag enorm erscheinen, aber überall kämpfen die Protagonisten gegen dasselbe, nämlich gegen Unmenschlichkeit und Vorurteile.
Ein grossartiger Film, sowohl von der Handlung als auch von der wirklich genialen Umsetzung. Die Landschaftsbilder von Marokko, das marokkanische Dorf, die mexikanische Hochzeit, das Stadtleben Tokyos, ……unglaublich, alles wirkt total authentisch. Mit diesem Film macht Hollywood einen riesengrossen Schritt nach vorne. New New Hollywood.

Babel__Trailer


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