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Middlesex
Oktober 19, 2007, 10:10 am
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Middlesex von Jeffrey Eugenides – Kurzzusammenfassung
1920, Desdemona und ihr Bruder Eleutherios „Lefty“ leben nach dem Tod ihrer Eltern allein in einem winzig kleinen griechisch-türkischen Dorf. Da sie jetzt nur noch einander haben, entwickelt sich zwischen ihnen ein sehr inniges Verhältnis. In dem ausgestorbenen Dorf leben neben Desdemona leider nur noch zwei weitere heiratsfähige Frauen. Eine mit Schnurrbart, die andere mit unangenehmem Geruch, wahrscheinlich wäre sonst alles anders gekommen. Als 1922 der griechisch-türkische Krieg ausbricht, ist die Bevölkerung zur Flucht gezwungen, eine einmalige Gelegenheit sich neu zu inszenieren. Von niemandem erkannt, werden sie so auf dem Überseeschiff nach Amerika zum Liebespaar. Desdemonas Gedanke: „Ein normales Paar lernt sich kennen, wir müssen erst lernen uns fremd zu sein.“ In Amerika, Detroit angekommen, folgt der Einzug bei Cousine Sourmelina. Sie kennt die beiden von früher, und ist somit die einzige, die das Geheimnis kennt. Lina aber emigrierte nach Amerika, da sie selbst etwas zu verheimlichen hatte, sie ist lesbisch.
Lefty wird Fliessband Fabrikarbeiter in der Autostadt Detroit, bei Ford, wird Zeuge der klassischen amerikanischen Geschichte. Später arbeitslos, eröffnet er in der Zeit der Prohibition eine Bar. Ebenfalls klassisch.
„Die Priester sagen, man darf seine Geschwister nicht heiraten.“ Die beiden haben trotzdem zwei Kinder, Milton und Zoë. Entgegen Desdemonas Befürchtungen sind diese aber gesund. Nach der Geburt lässt sie sich dennoch sterilisieren. Nachwuchs bekommt auch Cousine Lina, eine Tochter, Tessie. Die Zeit vergeht, und die Spirale dieser Saga dreht sich unaufhörlich weiter. Die Kinder sind bereits im Teenageralter, da bekundet Milton, zum Schrecken seiner Mutter, Interesse an seiner Cou-Cousine Tessie. „Nicht schon wieder, doppelter Inzest!“
Schöne Momente zwischen den beiden sind deren erste erotische Erlebnisse, als Milti ihr die Klarinette auf den Bauch drückt und spielt und sie so die Töne in ihrem Körper vibrieren spürt. Sie verlieben sich ineinander. Da Desdemona glaubt, dass Milton, der inzwischen im zweiten Weltkrieg weilt, nicht zurückkehren werde, gibt sie einer Heirat ihren Segen. Er aber bleibt unversehrt und kehrt zurück.
Somit sind wir nun schon tief in dieser Familiensaga drin angelangt und nähern uns der eigentlichen Hauptperson, Miltis und Tessies Tochter Calliope alias „Callie“ alias „Cal“.
— „Es ist ein Mädchen!“ 1960 war Dr. Philobosian vierundsiebzig. Er zählte meine Finger und Zehen. Er überprüfte mein Gesäss auf einen Sakralfortsatz. Dann drehte er mich wieder auf den Rücken, ergriff meine beiden krummen Beine und zog sie auseinander. Was sah er da? Die saubere Salzwassermuschel der weiblichen Genitalien. Die Gegend entzündet, von Hormonen angeschwollen. Das Pavianmässige, das alle Babys haben. Dr. Philobosian hätte die Falten auseinander ziehen müssen um besser zu sehen, doch er tat es nicht.—
Was Menschen vergessen haben, daran erinnern sich nun die Zellen. Callie leidet an 5-alpha reductase deficiency, „sie“ wird als Pseudo-Hermaphrodit geboren. Ein Junge im Körper eines Mädchens. Halb Vagina, halb Penis. Beim Kinde noch unbemerkt, sowohl von den Eltern, als auch von ihr, wird sie es erst im „Frühling“ ihres Lebens spüren, als der „Krokus“ zu spriessen beginnt.
1967, Rassenunruhen in Detroit, Panzer fahren auf der Strasse. Krieg. Während der Unruhen geht die Bar in Flammen auf, die Milton von seinem Vater geerbt hatte, die Versicherung zahlt. So kommen sie zu einem hübschen Sümmchen Geld. Die Familie zieht in die „Middlesex“, ein mondäne, grosse Villa, das neue Zuhause. — „Es ist schon unanständig das zu sagen, aber die Krawalle waren das Beste, das uns je widerfahren ist.“—
Callie ist eigentlich ein glückliches, gesundes und schönes Kind. Erst als sie in die Pubertät kommt, und die Mädchen um sie herum alle zu mutieren beginnen, schöpft sie Verdacht. Brüste und Menstruation lassen auf sich warten. „Denkst du noch an mich“, sagt sie zur Natur. „Ich warte, ich bin auch noch da.“ Komplikationen sind vorprogrammiert, allerdings bemerkt niemand etwas. Sie schämt sich. Die Monatsblutung wird vorgetäuscht, der Büstenhalter ausgestopft.
Frühlingsgefühle. In der Schule lernt sie ein Mädchen kennen, von ihr nach Bunuels Film das „obskure Objekt“ genannt. Während eines Ferienlagers kommen sie sich schliesslich näher und erleben erstmals, und auf ungewöhnliche Art Sexualität. Insgeheim natürlich, das „Objekt“ sagt „Warum kannst du nicht einfach ein Junge sein.“ Das Unausweichliche geschieht. Bei einem Streit mit dem Bruder des „Objekts“ erleidet Callie einen Verkehrsunfall. Das „obskure Objekt“ fährt noch mit der Ambulanz mit, händchenhaltend sehen sie sich aber zum letzten mal. Im Krankenhaus ist schliesslich Endstation mit dem Versteckpiel. Was der senile Hausarzt der Familie über Jahre nicht bemerkt hatte, wird hier offenkundig – Callie ist kein Mädchen. Die Eltern sind besorgt. Der spektakuläre Fall wird an Sex-Spezialist Dr. Luce in New York weitergeleitet. Soziokulturell sehr interessant. Ein Junge, der als Mädchen aufgewachsen ist. In vielen Befragungen, bei denen Callie aber oft lügt, wird ermittelt, dass sie aufgrund der Sozialisierung eigentlich doch ein Mädchen ist. Natürlich ein etwas anderes Mädchen. Alles OK also, die Eltern atmen auf, die Welt scheint wieder etwas in Ordnung. Nur Callie weiss es eben besser. Kurz vor einer Operation, die sie endgültig zur Frau machen sollte, beschliesst sie auszureissen. Sie nennt sich jetzt Cal, und gibt sich fortan als Junge aus. Auf ins Mekka der Schwulen, auf nach San Francisco. Zuerst schlägt er sich auf der Strasse durch, lebt im Park, aber als ihm das alles zuviel wird, ergreift er ein, zuerst von ihm abgelehntes, Angebot eines Nachtclubbesitzers. „Hereinspaziert, hereinspaziert, das haben sie noch nie gesehen.“ In einer Freak-Peep-Show verdingt er sich als zweigeschlechtliche Badenixe. Tessie und Milti lieben ihre „Tochter“ und sind sehr besorgt. Milti sieht seine Lebensaufgabe nun darin, seine Tochter wiederzufinden.

Tja, wird er sie wiederfinden? Ich weiss es, kann hier aber trotzdem nicht weitererzählen, da ich die Geschichte nur noch in Fragmenten vor mir sehe. Das rührt daher, dass ich diesen Text bis zu dieser Stelle schon vor einiger Zeit geschrieben habe, aber dann damit aufgehört habe. Soviel weiss ich noch, das Buch ist sehr lang, eine Familiensaga, und es ist sehr gut. Der Autor hat damit den Pulitzer Preis gewonnen. Viel Spass :-)


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