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McCabe und Mrs.Miller
Oktober 12, 2007, 9:30 pm
Filed under: movies, music

>> USA 1971 >> 120 min >> R: Robert Altman >> B: Robert Altman &
Brian McKay >> D: Warren Beatty, Julie Christie u.v.a.

Die Wolken hängen tief, und es ist düster als McCabe in Presbyterian Church, der kleinen Bergarbeitersiedlung ankommt, es ist still und wir hören bloss einen traurigen Leonard Cohen Song (the stranger). Es regnet oder schneit sowieso beinahe ununterbrochen in dem kleinen Nest. Dies ist sinnbildlich und so führen auch nur schlammige und steinige Strassen durch das Dorf. Ein Dorf, das wenig besiedelt ist, und in dem nur halbfertige Baracken herumstehen. Sinnbild einer ebenso halbfertigen wie schlammigen und steinigen Zeit. Das Dorf ist ausserdem weit abgelegen, ringsherum als stummer Zuschauer nur der schier unendliche und bedrohliche dunkle Wald. Die rauhe Umgebung spiegelt sich auch in den Bewohnern der Siedlung, es sind traurige und rohe Gestalten, die ein karges Leben führen.

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Photo von mickydelfavero

In diesem Umfeld eröffnen McCabe, der etwas Geld im Spiel gewonnen hat, und die dazugestossene geschäftige ehemals-Edelprostituierte Mrs.Miller nun einen Spielbetrieb und einen Puff und sind somit Teil der umtriebigen amerikanischen Geschichte, das kleine Nest wächst stetig und wird später eine Stadt sein. Teil der archetypischen amerikanischen Geschichte ist dann aber auch das Ende, als McCabe von Auftragskillern erschossen wird, da er einem legalen Verkauf des später florierenden Geschäfts nicht zustimmt. Das ist der wilde Westen von Robert Altman, das sind widrige Umstände, Schmutz und Pestillenz, Gefühlskälte und Habsucht.
Traurig: Die Protagonisten sind angesichts der Umstände unfähig tiefe Gefühle zu zeigen, Gefühlsausbruch von McCabe am Vorabend seines Todes ist der Satz zu Mrs. Miller „Ich habe mich niemals einer Person so nah gefühlt“ , es ist kein „Ich liebe dich“, kein stürmischer Kuss, denn das ergibt keinen Sinn, für eine Liebesgeschichte ist kein Platz. McCabe ist kein Held und Mrs. Miller ist nicht die schöne Blondine an seiner Seite, sie wird ihm im Moment der Entscheidung nicht beistehen. Im Angesicht seines unausweichlichen Todes ist sie Realistin und entledigt sich ihrer aufkeimenden Gefühle lieber mit der Opiumpfeife.
Am Schluss stirbt er allein im Schnee und sie liegt berauscht in einer Hütte als wieder ein Lied von Leonard Cohen anstimmt. Mit der Zeile: „Travelling lady, stay a while, until the night is over. I’m just a station on your way, I know I’m not your lover.“

The Stranger / Leonard Cohen

Ich finde diesen „revoltierenden New Hollywood“ Film ein visuelles und thematisches Meisterwerk. Man kann sich gut in diese ja längst vergangene Zeit einfühlen, da er in einem Stil ähnlich der Dogma-Filme gedreht wurde und recht authentisch wirkt.
Thematisch ist „McCabe und Mrs. Miller“ ein Abgesang auf den kitschigen John Wayne Cowboy-Helden-Mythos der amerikanischen Siedler und zeigt ein Bild wie es viel wahrscheinlicher war; ein rauhes Klima, ein entbehrliches Leben und eben wenig Zeit für grosse Romanzen.


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