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à propos Musikbiz
Oktober 2, 2007, 9:45 am
Filed under: music, stories

Das graue Album, die Platte, die selbst Anwälte zu HipHop-Hörern machte
Die Beatles mochte ich schon immer und Jay-Z eigentlich auch, von daher kommts schon mal gut. Das „weisse Album“, die einzige Platte der Beatles, die während meiner Kindheit im Plattenregal meiner Eltern stand, hatte mit ihrem schlichten, ganz in weiss gehaltenen Cover schon immer eine Faszination auf mich ausgeübt. Das „schwarze Album“ von Jay-Z fand ich auch gut, das hatten dann meine Eltern allerdings nicht mehr , :-) und so hatte ich es mir selber besorgt. Man nehme also Schwarz und Weiss, und das ergibt? Ja genau, Grau. DJ Dangermouse kam, sah und siegte, denn er hatte die geniale Idee, seine Beats mit den Samples des weissen Albums zu verquicken und darüber die Lyrics des Rappers Jay-Z von dessen schwarzem Album zu platzieren, heraus kam das „Graue Album“. Eine im Prinzip simple Idee, marketingstechnisch aber ein Geniestreich. Zweiter Geniestreich war dann dessen Musik.

DJ Dangermous vs. The Beatles – The Grey Video

Man glaubts kaum, aber das Ganze kommt wirklich absolut homogen rüber, die Beats mit den Gittarenriffs rocken total, die Konserven-Lyrics von Jay-Z tönen so natürlich als hätte er sie gleich direkt auf die Beats gerappt. In einem Wort, eine super Idee und ein noch besseres Album! Der Haken des Projekts, wie bezahlt man denn bloss die 40 Minuten Beatles-Samples? Soviel Geld hatte sich DJ Dangermouse nicht zusammengespart, und so kümmerte er sich von Anfang an nicht um die Rechte und produzierte einfach frisch drauf los. Folgerichtig hatte die Platte dann aber auch nur eine Auflage (Promo?) von 3000 Stück und erschien im Eigenverlag. EMI, der Plattenmulti, der die Rechte am Beatles-Liedgut hält aber sah sich bestohlen und mahnte den jungen Künstler umgehend ab, sie gingen sogar soweit und verwarnten einzelne e-bay-User, die das Album im Internet zum Verkauf anboten. Eine absurde, aber dennoch typische Situation für die ewig nörgelnde Musikindustrie, anstatt in neuartige, zukunftsweisende Projekte zu investieren, schiebt man diesen lieber (auch nicht billig) einen Riegel vor. Eine aufsehenerregende Aktion, die nicht ohne Folgen blieb, so wurde das Album am 24. Februar 2004, dem „Grey Tuesday“ von Urheberrechtsaktivisten ins Netz gestellt und mittlerweile wohl zu Hunderttausenden runtergeladen. Überdies bedeutete die ganze Geschichte eine Riesenpublicity für DJ Dangermouse, und er ist seitdem berühmt. Tja, liebe EMI, da hätte man sich doch lieber gleich den Jungen an Bord geholt und an Plattenverkäufen, Konzerten, Merchandising usw. mitverdient. Ironie der Geschichte, von Damon Albarn für das „Gorillaz“ Projekt engagiert, arbeitete er schon kurze Zeit später für ……..ja genau, EMI. Das Album wurde bis heute nie offiziell releast. Schade eigentlich, denn es ist in doppelter Hinsicht genial und hätte trotz der illegalen Downloads sicher einiges an Geld in die Kassen gespült. DJ Dangermouse machte weiter Musik und hat sich mit dem Projekt „Gnarls Barkley“ mittlerweile auch abseits von Rechtsstreitigkeiten einen Namen gemacht, und seinen Ruf als begnadeten Produzenten gefestigt.


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