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American Apparell
September 20, 2007, 11:49 pm
Filed under: stories

Ein Text, den ich vor einiger Zeit für ein anderes Projekt geschrieben habe, hier
aber noch einmal veröffentlichen möchte.

„Kleidung zu tragen ist über kulturelle und sozioökonomische Grenzen hinweg ein menschliches Grundbedürfnis. Darum lehnen wir die ausbeuterische Fertigung zu Billigstlöhnen entschieden ab.“
Ja, kann es das denn heute noch geben, ein Unternehmen, dass ohne „Sweatshops“ in Billigländern produziert, das Doppelte der gesetzlichen Mindestlöhne zahlt, Sozialleistungen anbietet, in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht sehr erfolgreich ist und auch immer mehr auf biologische Rohstoffe setzt. „Natürlich nicht“ würde ein Wirtschaftsspezialist wohl meinen, doch er liegt falsch, denn die obige Beschreibung ist nicht die der Caritas oder sonst einer wohltätigen Organisation, sondern von American Apparel, des, man höre und staune, mittlerweile größten Bekleidungsherstellers in den USA.
americanapparel_hiring_nyc1.jpgjapaneseinvasion1.jpg

Ein Wirtschaftswunder, oder einfach ein etwas anderes Geschäftsmodell? Ein Grund des Erfolgs von American Apparel könnte sein, dass deren gesamte Produktion im Inland, im Zentrum von Los Angeles liegt und mit 74.000 m2 die grösste ihrer Art ist. Organisiert ist diese in vertikaler, integrierter Fertigung, d.h. alle Produktionsschritte, vom Färben des Stoffes bis hin zur Verpackung, Design und Marketing werden hausintern erledigt. Ein weiterer Grund: Umweltschutz ist zum Trend geworden und American Apparel ist sich als internationaler Konzern seiner Verantwortung dafür bewusst, verwendet beispielsweise Biobaumwolle und führt alle sämtlichen ausschüssigen Materialen in den Verwertungsprozess zurück. Ein solch neuartiges Geschäftsmodell ebenso effizient, rentabel wie fair umzusetzen ist in meinen Augen eine Pionierleistung und sollte als Vorbild dienen. American Apparels Erfolg wird also hoffentlich in Zukunft anderen progressiven Unternehmen Mut machen diesen Weg ebenfalls zu verfolgen.
Das Kleidungsstück ohne Logo: Eine Markenidentität entsteht ausschliesslich durch das beim Tragen der Kleidung entstehende Lebensgefühl, denn die Kleider der Firma tragen weder ein Logo noch eine Firmenbezeichnung. Das ist neu, speziell und wohl wieder sowas, bei dem beispielsweise einem Marketingsspezialisten wohl die Haare zu Berge stehen würden, diese Geschichte aber zeigt, es funktioniert; alles ist möglich. Sex sells: In konservativen Kreisen ist die Firma wegen ihrer stark sexuell beladenen Werbung in die Kritik geraten, na ja, wenn angesichts der Umweltprobleme, der Ausbeutung der dritten Welt usw. diese Leute keine anderen Probleme haben, nun denn.


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